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Podium im Gerberhaus

Adresse:
Gerberplatz 1
95444, Bayreuth, Deutschland

Gunter Hampel Trio

Datum:

Mi. 14. März 2001
um 20:30 Uhr

Location:

Podium im Gerberhaus

Veranstalter:

Jazzforum Bayreuth e.V.

Gunter Hampel, vibChristian Weidner, sax
Gerrit Juhnke, dr
Ein Universalist im siebten Jazzhimmel
Das b-flat erlebte Gunter Hampels Trio
Durch seine Bands ist praktisch die ganze Avantgarde-Jazz-Szene mehrerer Jahrzehnte gegangen, immer wieder hat er sich mit der jüngsten Musikergeneration umgeben. Unvergessen seine Zusammenarbeit mit der Pop-Jazz-Rap-Formation Jazzkantine, die auf ein Massenpublikum stieß. Und bis heute wirkte er stets als der Jüngste unter allen. Vibraphonist und Bassklarinettist Gunter Hampel. Kein Rap oder Hip-Hop, und auch keine volle Stadthalle, sondern filigranen Spätstil-Jazz gab es jetzt mit seinem Trio im b-flat. Improvisationen als Korridor.
Ganz leicht gleitet die Improvisation in eine komponierte Passage und verlässt sie wieder. Hampels freiere Kompositionen sind weniger Themengebilde als Korridore, die die Spieler auf den jeweiligen Charakter konzentrieren. Dadurch ergibt sich eine Gelöstheit, eine Kommunikation wie zwischen benachbarten Wolken im siebten Jazzhimmel, die schwerlich ihres gleichen findet. Sehr jung, Anfang 20, sind Hampels Mitstreiter, beide vor einigen Jahren von ihm entdeckt: Altsaxophonist Christian Weidner übernimmt mit seinen kurzen schneidenden Läufen und Schleiftönen gegen den von jeher sanft spielenden Hampel den aggressiveren Widerpart. Gerrit Juhnke am Schlagzeug lässt als sensibler Begleiter aufhorchen, noch mehr durch seine Soli: Nicht sportliche Höchstleistung, sondern tatsächlich Variationen Über Rhythmen und, flüsternd gar, über den Klang. Bindeglied zwischen Bop und Avantgarde.
In dieser inspirierenden Umgebung spielt sich der vierzig Jahre ältere Hampel völlig frei. Seine neueren Themen liegen zwischen Bebop und coolem West-Coast-Jazz. Freilich wird die Form tänzerisch frei gehandhabt. Hampel, der in Göttingen ebenso zu Hause ist wie in New York, auf Free-Jazz festzulegen, ist heute falsch. Seine Jazzwurzeln reichen ohnehin, anders als bei seinem Kollegen Peter Brötzmann, zurück bis Ende der fünfziger Jahre. Er selber bezeichnet sich als das fehlende Glied zwischen Tradition und Avantgarde. Deswegen war er, der Europäer, immer wieder von den Jazzstars der vierziger und fünfziger Jahre als der Fortführer ihrer Stile unter Einbeziehung der neuen Freiheit bewundert worden. Hampel – ein warmherziger Universalist des Jazz.
Matthias R. Entreß Berliner Morgenpost 1999