Bayreuther Jazz-November 2007

Bayreuther Jazz-November 2007

Soundcheck! 3point5 spielt als Vorband des Cécile Verny Quartetts am 8.11. im Zentrum

Soviel Spannung war nie. Feuchte Hände reihenweise, Bauchkribbeln hier und da. Kaum einer der jungen Nachwuchsmusiker konnte am Freitag im Podium seine Nervosität verbergen. Dem einen oder anderen stand sie sogar im Gesicht geschrieben. Offenbar ging es für das Dutzend Talente um sehr viel.
Schließlich galt es vor den Ohren einer kritischen Jury zu bestehen. So schenkten Bayreuths Kulturreferent Ralph Lange, die beiden Musiker Stefan Mörlein und Rainer Hartmann, der Leiter des Jugendzentrums, Hans Heisinger, und als Vertreter des Publikums  der Musikexperte Tom Patryk den Nachwuchsmusikern ihre ganze Aufmerksamkeit.Die Minuten vor dem Auftritt wurden zu Stunden. Als es gegen 21 Uhr endlich los ging, setzte sich zunächst Hans Jörg Arnold ans Klavier: Es erklang eine ganze Serie aus phantasievolle Eigenkompositionen. Klar, hier stellte sich ein junger Klaviervirtuose  vor. Arnolds ausgeklügelte und gleichermaßen gefällige Arrangements überzeugten durch ihre feine Balance zwischen Heiterkeit und Melancholie.Der Anfang war damit gemacht, die musikalische Messlatte lag schon recht hoch. War das noch zu übertreffen? Wohl kaum. Das Trio Stevie and the monsterbus, das sich erst kürzlich zusammengefunden hatte, setzte anschließend populäre Akzente. Anfangs mit Spielwitz und Humor, dann aber etwas behäbig und getragen, schien die Band in der zweiten Hälfte ihres Auftritts vergessen zu haben, dass es darum ging, eine kritische Jury zu überzeugen. Immerhin:  Die Coversongs aus Blues, Soul und Funk  kamen ganz  gut an. 

Fulminante Jazznacht mit Cécile Verny

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Foto: Udo Bartsch

Ausdrucksstark und mit der ungeheuren Dynamik ihrer Stimme präsentierte sich Cécil Verny. Mal sanft und tief, mal explosiv und durchsetzt mit hartem Scat, wandelte die gut aufgelegte Sängerin durch den verschneiten Schwarzwald, reiste nach Afrika und beschwor sogar Geister. Sie gab sich einfühlsam und verletzlich, zeigte bisweilen großes Temperament.

Das Publikum erlebte vier kreative Musiker, die ihre hoch entwickelten Kompositionen mit schlafwandlerischer Sicherheit vortrugen.

In seinem spannungsgeladenen Programm verband das Quartett schöpferische Intellektualität mit der bewegender Spiritualität. Cécile Verny gestaltete eine fulminante Jazz-Nacht.

Die zweite Nacht im Jazz-November: David Murray und Michael Sagmeister

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Foto: Udo Bartsch

Das David-Murray-Black-Saint-Quartett und Michael Sagmeisters Soulticket auf der Bühne

Nomen est omen: Das Black Saint Quartett machte seinem Namen alle Ehre und las dem Bayreuther Publikum eine ausgesprochen expressive Messe. Ungestüme Eruptionen, schreihaftes Flehen und freifallende Tonkaskaden schufen ein Szenario, dass zuweilen einer verzweifelten Geisterbeschwörung glich. David Murray rang offenbar mit dem Bösen. Er lies das Saxophon schreien und kreischen, ächzen und jaulen. Als gelte es, die ganze Welt vor dem großem Unheil zu retten. Murray, einer der großen Magier mit dem Mundstück.

Rund 20 Minuten dauerte am Ende die Zugabe, bis der schwarze Heilige seine letzte, überwältigende Messe gelesen hatte. Gut gestärkt waren David Murray und seine Begleiter aus der Pause zurückgekehrt und spielten sich in einen regelrechten Rausch. Leidenschaft ohne Grenzen, erneut entfachte ein glühendes Inferno. Die infernalische Geisterbeschwörung fand ihr Ende erst dann, als dem schwarzen Heiligen die Kräfte schwanden.

Mit Michael Sagmeisters Soulticket klang die heiße Jazz-Nacht weit nach Mitternacht im Podium aus. Populäre Klänge, durchsetzt von Sagmeisters fein verwobenen, kontrollierten Gitarrenimprovisationen setzten einen ohrgängigen wie gleichermaßen anspruchsvollen Schlusspunkt.

 

Die dritte Nacht im Jazz-November: Tania Maria und Hyperactive Kid

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Foto: Udo Bartsch

Mit ihrer Liebe zum Jazz frischte die nun fast 60-Jährige die überlieferten Latin-Standards ordentlich auf.

Tania Maria, die rebellische Diva: Energiegeladen und voller Tatendrang warf sie musikalischen Ballast über Bord und verpasste dem lieb gewonnenen Bossanova und Samba einen peppigen wie gleichermaßen erdigen Anstrich. Mittlerweile fast kitschig anmutende brasilianische Lovesongs gerieten so zu spritzigen Hymnen und aus schmalzigen Schmachtfetzen formte sie melancholische Balladen. Gut aufgelegt und stimmgewaltig animierte sie schließlich das Publikum zum Mitsingen und am Ende lagen ihr nicht nur ihre drei Begleitmusiker zu Füßen. Das Publikum erlebte eine große Musikerin, die schon seit Jahrzehnten Stil prägend wirkt.

Im Anschluss beeindruckten die drei jungen Musiker von HYperactive Kid mit einem furiosen Auftritt im Podium.