
Trigger – etwas auslösen, in Bewegung setzen. Ein Reiz, der starke Emotionen wachruft, Erinnerungen freilegt, manchmal auch schmerzhafte. »Trigger« heißt aber auch das Debütalbum des Trios um Sharon Mansur. Und genau das tut diese Musik: Sie setzt etwas frei.
Die Stücke sind klug gebaut und pulsieren vor Energie. Ideenreiche Arrangements, rhythmische Raffinesse und große gestalterische Freiheit verbinden sich zu einer Musik, die das Trio mit maximaler Präsenz, Spielfreude und Musikalität ausfüllt.
Mansurs musikalische Biografie ist so vielschichtig wie ihre Musik: Ihre Wurzeln liegen in der klassischen Klavierausbildung; in Chopin und Rachmaninow; in der Faszination für große Orchesterklänge. Parallel dazu hörte sie Metal, Psychedelic und Progressive Rock, spielte Keyboards in einer Symphonic-Metal-Band mit Operngesang an der Front. Später entdeckte sie in Funk- und Blues-Bands die Freiheit der Improvisation. Und unter dem Pseudonym SHASHA macht sie mit einer elektro-orientalischen One-Woman-Show Clubs und EDM-Festivals unsicher.
Was all diese Welten verbindet, ist Mansurs ausgeprägter Sinn für Dramaturgie und Tiefe. Ihre Virtuosität dient nie dem Selbstzweck – sie erzählt sehr persönliche, emotional aufgeladene Geschichten, die trotz Spannungen einen hoffnungsvollen Blick auf die Welt eröffnen.
Dieses Zusammenführen unterschiedlichster Einflüsse spiegelt auch die musikalische Realität ihres Heimatlandes wider: „Weil das Land so jung ist, ist israelische Musik immer eine Mischung aus Europa, dem Nahen Osten, dem Mittelmeerraum und Nordafrika.“
Auf »Trigger« bündelt sie diese Einflüsse gemeinsam mit dem Kontrabassisten David Michaeli und dem Schlagzeuger Aviv Cohen zu einem farbenreichen, verblüffend stimmigen Ganzen. Kraftvolle Rhythmen und Melodien, die an ihren Metal- und Klassik-Background erinnern, treffen auf Viertelton-Linien und eruptive Piano-Passagen. Die ungerade, mittelöstlich geprägte Rhythmik durchzieht das gesamte Album – ein 4/4-Takt findet sich hier kein einziges Mal.
Und am Ende äußert sie einen zutiefst humanistischen Blick auf die Welt und ihr Wirken: „Musik zeigt, dass wir dieselben Emotionen teilen, auch wenn wir unterschiedliche Sprachen sprechen. Und ich hoffe, dass ich durch meine Musik die Welt um mich herum ein kleines bisschen positiv beeinflussen kann.“