
RKDIA klingt, als hätte jemand einen Club, ein Fusion-Labor und eine grell flackernde Spielhalle in denselben Stromkreis gesteckt. Zwei Musiker, ein massiver Sound: Morten Schantz an Synthesizern, Keyboards und Stimme, Anton Eger am Schlagzeug. Mehr braucht es nicht.
Das Duo nennt seine Musik »Broken Disco«, und das passt. Denn hier wird Dance Music nicht reproduziert, hier wird sie zerlegt, verbogen, beschleunigt und im nächsten Moment zu großen, euphorischen Hooks zusammengesetzt. Schiefe Beats treffen auf Stadion-Melodien, analoge Synthesizer auf rhythmische Kurzschlüsse, elektronische Euphorie auf die unberechenbare Logik zweier improvisierender Musiker.
RKDIA spielt elektronische Dance Music, tarnt sich aber als Jazz-Duo – oder umgekehrt. Genau darin liegt der Reiz. Beide Musiker kommen aus der europäischen Jazz- und Fusion-Szene, tragen deren Denkweisen aber an reichlich ungewöhnliche Orte. Es geht nicht um stilistische Reinheit, es geht um Energie, Reaktion, Geschwindigkeit – um die Frage, wie weit man ein Pattern treiben kann, bevor es explodiert.
Eger ist dafür der ideale Motor. Sein Schlagzeugspiel wirkt mal fast unmenschlich präzise, dann wieder vollkommen überdreht, hyperaktiv, riskant; er spielt Beats nicht, er feuert sie ab. Funk, Techno, Noise, Rave – alles scheint gleichzeitig zu passieren und bleibt doch messerscharf auf den Punkt. Schantz hält dagegen und öffnet Räume: Seine Synthesizer leuchten, flimmern, drücken, singen, mal nach Cyberpunk-Club, mal nach beschädigter Pop-Hymne, mal nach einem elektronischen Karussell, das deutlich schneller fährt, als es eigentlich dürfte.
Gemeinsam erzeugen sie ein fröhliches Chaos, das nie auseinanderfällt, weil beide genau wissen, was sie tun. Schon das Debüt »Into RKDIA« (2021) und die spätere Single »RKDIA« gaben einen Vorgeschmack auf diese rasend frenetische Welt – improvisierter Cyberpunk Live-Rave trifft es ziemlich genau. Wer das hört, sollte keine Sitzordnung erwarten, eher einen Sog: laut, bunt, waghalsig. Dance Music, wie sie klingt, wenn zwei exzellente Jazzmusiker sie mit leuchtenden Augen kurzschließen.
Das Konzert ist unbestuhlt!