
Virtuos seelenverwandt: Michael Wollny & Émile Parisien. Der deutsche Pianist und der französische Sopransaxofonist zählen zweifellos zu den prägenden Stimmen ihrer Instrumente. Was sie verbindet, ist die Lust am Grenzgang: Aus Einflüssen von Jazz dies- und jenseits des Atlantiks, Klassik, Pop, Neuer Musik, Avantgarde und Mainstream destillieren sie Konzerterlebnisse, die überraschen, verführen und nachhaltig nachhallen.
Wollny ist vieles – aber sicher kein typischer Jazzpianist. Seine Inspirationsquellen reichen von Franz Schubert, Alban Berg und Gustav Mahler über Björk und Kraftwerk bis zu japanischen Gangsterfilmen und Horrorstories. Sein Spiel ist neugierig, offen, risikofreudig: eine unablässige Suche nach dem Noch-nicht-Gehörten; nach den Momenten, in denen Musik kippt, aufleuchtet oder unvermittelt eine neue Richtung einschlägt.
Parisien wiederum gilt als einer der zentralen Protagonisten des französischen Jazz. Seine musikalischen Koordinaten sind weit gesteckt: von den folkloristischen Wurzeln seiner Heimat über die Denkweisen der Neuen Musik bis zur melodischen Abstraktion des freien Jazz. Das Faszinierende daran: Nichts wirkt kalkuliert, nichts forciert. Grenzüberschreitung geschieht hier fast beiläufig.
Wollny und Parisien kennen sich seit vielen Jahren; Beide sind Meister des Moments, hören einander mit feinsten Antennen zu und lassen im Dialog Musik entstehen, die faszinierend und berauschend zugleich wirkt. So vielfältig wie ihr musikalisches Spektrum ist auch die Palette ihrer gemeinsamen Projekte. Dass sie sich irgendwann dem Duo widmen würden – dem wohl intimsten, offensten und zugleich herausforderndsten Format musikalischer Interaktion – war letztlich nur eine Frage der Zeit.
Und auch die Wagnerstadt ist für beide kein Neuland: Wollnys erster Bayreuth-Auftritt war bereits 2003 als Pianist des Hubert Winter Quartetts im Podium am Gerberplatz – seitdem ist er viele Male auf unsere Bühne zurückgekehrt. Parisien spielte 2022 als Mitglied der Band »Louise« bei Pijazzo und eröffnete den Jazz-November 2024 mit seinem eigenen Quartett. Kurz gesagt: Beide waren schon da. Beide kamen wieder. Und wer sie kennt, weiß: aus gutem Grund.
Ein musikalischer Austausch auf Augenhöhe: zwei beeindruckende Individualisten, ein gemeinsamer Atem.