Marius Neset »Cabaret«

Marius Neset spielt Saxofon, als ginge es um alles. Wer ihn 2022 mit dem Programm seines Albums »Happy« im Bechersaal erlebt hat, weiß: Das ist Artistik, kontrollierter Ausnahmezustand. Ein Saxofon, das zischt, sich in waghalsige Soli schraubt und dabei doch erstaunlich präzise bleibt.

Mit »Cabaret« kehrt der norwegische Tenor- und Sopransaxofonist nun zu jenem Quartett zurück, das längst zu seiner Working Band geworden ist: Anton Eger an Schlagzeug und Percussion, Conor Chaplin am E-Bass und Elliot Galvin an den Keyboards. Eine Besetzung, die mitdenkt, mitzieht, mitexplodiert – eine der aufregendsten Rhythmusgruppen Europas.

Neset liebt die Abwechslung. Nach großorchestralen Arbeiten, Jazz-Klassik-Crossovern und Solo-Projekten bündelt er auf »Cabaret« wieder all das, was sein Spiel unverwechselbar macht: rhythmische Komplexität, melodische Fantasie, eruptive Energie und jenen schelmischen Humor, der selbst die vertracktesten Passagen leichtfüßig wirken lässt.

Tatsächlich ist dieses »Cabaret« ein Angebot in vielen kleinen, schillernden Portionen. Progressive-Rock-Komplexität trifft auf nordische Energie, funkige Basslinien auf blitzschnelle Unisonoläufe, verschobene Taktarten auf dichte Polyrhythmen, wie man sie sonst von Bands wie Snarky Puppy kennt. Ein Überraschungsmoment jagt das nächste. „Everything that happens in life is an inspiration to compose music“, sagt Neset. Auf »Cabaret« hört man genau das: Musik als Freundschaft zwischen Menschen, die einander blind vertrauen und sich trotzdem ständig überraschen. Ob Humor etwas in der Musik verloren hat? Bei Neset lautet die Antwort eindeutig ja – und zwar mitten hinein in diese rasante, athletische Achterbahnfahrt aus Rhythmus, Energie und Fantasie.

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