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Podium im Gerberhaus

Adresse:
Gerberplatz 1
95444, Bayreuth, Deutschland

Quartett Sonnenschein

Datum:

Fr. 04. Mai 2001
um 20:30 Uhr

Location:

Podium im Gerberhaus

Veranstalter:

Jazzforum Bayreuth e.V.

Martin Scholz, Piano, TrompeteSimone Sonnenschein, Saxophon
Peter Cisold, Schlagzeug
Hartmut Krochl, Bass 
Jazz aus zwölf Jahrhunderten
über die CD …
Gekonntes vermag mit Leichtigkeit daherzukommen; intensiv Gelebtes und Empfundenes auf humorvolle Weise, ohne an Tiefe zu verlieren. So wird auf der CD des Quartetts beispielsweise ganz problemlos Donald Byrds rührende Ballade Yourna einer Coverversion des Cat Steven-Hits Another Saturday Night gegenübergestellt, ohne daß es die Musiker in einen Zwiespalt zu stürzen scheint. Es erstaunt überdies, daß der improvisierenden Musikern häufig innewohnende Drang virtuosen Ausuferns beim QUARTETT SONNENSCHEIN einmal ungebremst seine Wirkung entfalten darf, ein anderes Mal überhaupt nicht zu existieren scheint. Eine gezielte Anwendung unterschiedlichster musikalischer Mittel zur Erreichung emotionaler Vielfalt scheint hier das Konzept der Ensembleleiterin zu sein. Dieses geht auf, ohne daß im geringsten der Hauch des Beliebigen oder des nüchternen Kalküls herüberweht. Im Gegenteil: Nach wenigen Tönen aus Simone Sonnenscheins Saxophon wird klar, daß man es hier mit einer höchst leidenschaftlichen Person zu tun hat. Die Kompositionen der Musiker erstrecken sich über eine Bandbreite von völlig unbescheidenen Griffen in die metrsich-rhythmische Trickkiste bis hin zu Kompositionen für Bohrmaschine, Altsaxsophon, Fuchsschwanz und Klavier. Dabei wird das Ensemble auf seinem Weg durch die Jazzlandschaft beständig von einem soliden Schotterbett aus Swing und Groove getragen, so modern und neuartig die musikalischen Asphaltdecke auch geraten sein mag. Mit großem Vergnügen wird der Hörer dieser Musik Respekt zollen.
… und die Musiker
Simone Sonnenschein verwirklicht mit dem nach ihr benannten Quartett einen lange gehegten Traum. Nach intensiven Studien bei den Kölner Saxophon-Mafiosi Gerhard Veeck und Wollie Kaiser, sowie an der Folkwang-Hochschule bei Hugo Read, versah sie ihren Dienst in verschiedenen kleineren und größeren Ensembles. Vom Duo mit dem Gitarristen Ulrich Galden über das von Mingus inspirierte Sextett Underkarl bis hin zum Jazz-Orchester Rheinland-Pfalz, wo sie jahrelang als Soloaltistin fungierte, reicht die Liste der Formationen, mit denen sie auch Tonträger bespielte.
Martin Scholz ist ebenfalls Absolvent der Folkwang-Hochschule in Essen. Hier studierte er bei Simon Nabatov Jazzpiano. Als Mitglied der Bands von Chris Farlowe und Roy Herrington betourte er ganz Europa und ist auf deren CD's zu hören. Neben diesen Aktivitäten widmet er sich als Interpret und Komponist der Neuen Musik und ist Mitbegründer des AOS-Ensembles.
Hartmut Kracht studierte Kontrabaß in Essen. Die Liste der Musiker, mit denen er spielte, liest sich wie ein Who is Who des Europäischen Jazz: Marc Ducret, Seve Argüelles, Wolfgang Engstfeld, Bob Degen, Norma Winstone, Zbigniew Namyslowski, Uli Beckerhoff etc. Neben Konzerten und CD-Produktionen mit den Genannten bestreitet Hartmut Kracht seit einiger Zeut auch ein Soloprogramm – eine Rarität unter Bassisten.
Peter Esiold kam autodidaktisch zum Schlagzeugspiel. Nach Lehrjahren in Soul- und Bluesbands begann der gebürtige Dortmunder, sich für moderne Spielformen des Jazz zu interessieren und erlangte als Miglied des Trios Blue Box nicht nur internationale Konzert-, Festival- und Studioerfahrung, sondern auch den Preis der Deutschen Schallplattenkritk. Er setzt sich ebenfalls mit der Neuen Musik auseinander und ist Gründungsmitglied des AOS-Ensembles. Seinen Sinn für solide Komik dokumentierte Peter Eisold als Trommler in Helge-Schneider-Ochester.
…und das Bühenecho
Daß Simone Sonnenschein Sinn für Skuriles hat, muß man nicht betonen; der Titel ihres Programms spricht Bände. Ihre "zwölf Jahrhunderte" erstrecken sich von einer abgedrehten Kneipen-Cover-Version des Sam Cooke-Hits "Anohther Saturday Night" (1963) bis zur Kammermusik für Saxophon, Klavier und Heimwerkerbedarf. Dazwischen liegen Welten aus Jazz- metrisch vertrackt, enorm groovig oder herrlich balladesk, durch die Bank fein geschrieben und gespielt. Die Essener Saxophonistin, auch als Piet Klockes Hip-Hop Angestellte bekannt, und ihre drei Kerls können sich damit zu den ausgefalleneren Bands des Landes zählen. (Foyer)
…Einerseits scheinen die Musiker zurückzublicken, rekonstruieren bittersüße Klangstandards, um sich plötzlich in das beschleunigte Pulsschlag-Leben grenzgängerischer Verbocktheit einzulassen. (BBV)
..Indes, keine abgezirkelte Collage der puren Reihung ist zu hören, sondern eine emotional dichte, mehrdimensionale Klangmusik .. mit Konzentration und Enthusiasmus bis and die Grenze der Spielbarkeit gehend musiziert. (JT)