Ein grandioser Jazz-November 2014

Um im Sprachgebrauch der Jazzkantine zu bleiben: Es ist abserviert. Der Jazz-November war ein wunderbar abwechslungsreiches 5-Gäge-Menü, wo zu jedem einzelnen Gericht teils mehrfache Nachschläge serviert werden mussten. Dabei platzte die Küche dank grandiosem Zuschauerzustrom sowieso schon aus allen Nähten.

Bahama Soul Club © Andreas Harbach

Die feurige lateinamerikanische Vorspeise präsentierte der Bahama Soul Club: Allen voran die sagenhafte Frontfrau Olvido sorgte vor ausverkauftem Saal für fast zwei Stunden dafür, dass die Stimmung immer am Siedepunkt köchelte.

Dass die Jazzkantine, die Spitzenköche der deutschen Jazzszene höchstpersönlichen den zweiten Gang auftrugen, kam nicht von ungefähr: Zum 20. Geburtstag wollte das Team um Chefkoch Christian Eitener ganz ohne Stecker kochen. Da wiederum wollte nicht nur halb Bayreuth dabei sein. Auch Gäste aus Stuttgart kamen extra nach Bayreuth, um hier dabei zu sein. Der bis auf den letzten Stehplatz gefüllte Saal dankte die Meisterleistung mit der Forderung nach drei Nachschlägen.

Die klassische Menüfolge vielleicht ein wenig außer Acht lassend setzten Joo Kraus & das Tales in Tones Trio den Kontrapunkt zu den Abenden davor: Fein durchdacht, teils sanft, teils kräftig druchgreifend filetierte das Quartett die Songs legendärer Popgrößen. Das Publikum dankte mit andächtiger Aufmerksamkeit und großem Hunger auf mehr.

Hai statt Saibling oder Flusskrebs, Blutwurst statt Wachtelbrüstchen: Wenn man es kulinarisch auf den Punkt bringen wollte, was Wildern um den sagenhaften Vokalisten Tobias Christl im Glashaus auf der Bühne trieb, dann vielleicht am besten mit diesen Vergleichen. Zu später Stunde ging es deftig zu, aber auf höchstem Niveau. Beeindruckend wie Songs von Leonard Cohen oder A-ha zerrissen, verwurstet und wieder zu einem komplexen Ohrenschmaus gefügt wurden.

Malene Mortensen © Andreas Harbach

Manchmal mag man ja gar kein Dessert mehr: In den meisten Restaurants kommt es aus der Tiefkühltruhe und ist viel zu oft eine Enttäuschung. Was für ein Glück, dass wir für den letzten Gang auf den dänisch-schwedisch Dessertteller à la Malene Mortensen gesetzt hatten. Bestens ausbalancierte Aromen, keinesfalls zu süß, kross-gebackene Soli der exzellenten Musiker. Und teils wunderbar cremige teils luftig-lockere Songs, die nicht aus dem Keller aus der Jazzkiste stammten, sondern größtenteils aus der Feder von Malene selbst.

Für uns war es wunderbar. Wir danken allen Zuschauern und Musikern für das Gelingen. Nächstes Jahr kochen wir wieder.

Alle Fotos: Andreas Harbach