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Jazz-November 2006: Rabih Abou-Khalil, Joachim Kühn, Jarrod Cagwin

  • Datum:Samstag, 18. November 2006
  • Ort:Das Zentrum
  • Zeit:20:00 Uhr

„Journey To The Center Of An Egg“ – so nennt Rabih Abou-Khalil sein aktuelles Trioprojekt. Mit dieser seltsamen Metapher bezeichnet der im Libanon geborene, seit langem in München lebende Virtuose auf der arabischen Laute „Oud“ jenen fruchtbaren Kern, aus dem er und sein solistisches Alter Ego, der Pianist Joachim Kühn, die kreativen Essenzen ihrer verschiedenen Klangkulturen extrahieren und verbinden.
Die daraus entstehende Musik lässt beiden Solisten weiten Raum für individuelle melodische Ausarbeitungen und spannungsvolle Dialoge. Die rhythmischen Akzente des Dritten im Bunde, des amerikanischen Schlagzeugers und Perkussionisten Jarrod Cagwin, sind da beileibe nicht nur Beiwerk. Cagwin, festes Mitglied von Abou-Khalils diversen Ensembles in den letzten Jahren, gibt dem Zusammenfluss aus arabischer Klangexotik und „westlicher“ Jazzsolistik Struktur und Richtung. So findet das Trio Abou-Khalil/Kühn/Cagwin auf seiner Reise zum Ei-Mittelpunkt zu einer gemeinsamen intensiven Kommunikation auf der Basis einer wirklich neuen, eigenen Klangsprache.
(Quelle: deutschlandradio.de)
Rabih Abou Khalil über Joachim Kühn:
Eigentlich mag ich Piano gar nicht. Nicht dass es keine großartigen Pianisten gibt, es war nur nie mein Instrument erster Wahl. Deswegen hatte ich nie zuvor an eine Zusammenarbeit mit einem Pianisten gedacht, bis mich Joachim Kühn fragte, ob ich Lust hätte, mit ihm Musik aufzunehmen. Das Studio in Zerkall in der Eifel, in dem wir beide seit Jahren arbeiteten, drohte zu schließen. Da wir so allerlei bewegte Erinnerungen an diesen Ort hatten, wurde es uns plötzlich bewusst, dass dies die letzte Gelegenheit sei, nun quasi aus der reichen Palette der kollektiven Memoiren unseres Musikstudios Inspiration zu schöpfen – und die verwegene Idee war geboren, gemeinsam ins Studio zu gehen.
Nichts an Joachims Spiel konnte meine Vorurteile gegenüber Klavier bestätigen. Im Gegenteil: Vom ersten Moment an – ob er mich begleitete oder ich ihn – stets fühlte ich ein tiefes musikalisches Verständnis für meine Sprache einerseits, andererseits war mir seine Ausdruckswelt keineswegs fremd. Ich hörte kein Klavier mehr, ich hörte nur noch Joachim Kühn. Was kann man mehr über einen Musiker sagen, als dass er sein Instrument transzendiert? Eigentlich mag ich Piano sehr.
Joachim Kühn über Rabih Abou Khalil:
Das erste Mal, dass ich etwas von Rabih Abou Khalil hörte, war durch meinen Freund Mark Nauseef, mit dem Rabih lange Zeit zusammenarbeitete. Rabih und ich arbeiteten seit langen Jahren dann in demselben Studio mit meinem Freund Walter Quintus zusammen. Ich ging ins Studio, Rabih ging heraus und so begegneten wir uns so oft, bis wir sagten, lass uns doch einmal zusammen spielen. In der Zwischenzeit interessierte mich die arabische Musik immer mehr. Ich wollte unbedingt mit arabischen Musikern zusammenspielen, insbesondere mit einem Oud Spieler.
Eines Tages war es dann soweit: Rabih brachte noch Jarrod mit, und auch Wolfgang Reisinger war von der letzten Aufnahmesession noch im Studio. Wir fingen an zu spielen und nach den ersten Sekunden merkte ich schon, dass wir einen ganz besonders warmen Klang zusammen haben. Oud und Piano – so viel gibt es davon nicht. Es gab kein Ego, keinen Stil, keine Kompromisse, es war pure Musik. Was für ein Klang, den Rabih auf seinem Instrument hat, welches timing seine Phrasierungen aufweisen, welche Offenheit er seinen Mitmusikern entgegenbringt!
Rabih Abou-Khalil – arabische Laute „Oud“
Joachim Kühn – Piano, Altsaxophon
Jarrod Cagwin – Schlagzeug, Perkussion